Stellungnahme Jugendrat zur Reaktivierung von Bahnstrecken

Stellungnahme Jugendrat zur Reaktivierung von Bahnstrecken

Die Debatte um das absehbare Verfehlen der Klimaziele des Pariser Übereinkommens ist voll im Gange, die Themen Klimapolitik und Zukunft unseres Planeten in aller Munde.

Währenddessen müssen wir im ländlichen Raum allerdings darum kämpfen, nicht abgehängt zu werden. Wenn man um elementare Dinge wie das Bestehen eines funktionierenden ÖPNVs bangen muss, ist es notwendig, sich öffentlich klar zu positionieren.

Im Jahre 1991 wurde die Bahnstrecke Gotteszell – Blaibach quasi ersatzlos stillgelegt und erst nach jahrzehntelangen Bemühungen, vor allem des Fördervereins Go-Vit, konnte ein Bürgerentscheid initiiert werden, welcher zu einer großen Mehrheit für einen Probebetrieb auf der verbliebenen Teilstrecke Gotteszell-Viechtach führte.

Es wurden Millionen Euro an Steuergeldern in den nötigen Ausbau der Infrastruktur investiert. Nach der Aufnahme des Probebetriebs haben auch wir uns als Jugendrat dafür eingesetzt, die Bahn für Viechtach langfristig erhalten zu können. So wurde versucht, die Attraktivität der Bahnstrecke unter Anderem durch die Durchführung zweier “Jamwaggons” oder einer dreimonatigen Kunstausstellung verschiedener Künstler in enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Infopoint zu steigern.

Doch jetzt, wo das Ende des Probebetriebs in Sichtweite ist, scheint es so, als würde der Betrieb, obwohl die Bahn in der Bevölkerung mittlerweile auch mitunter durch unser Engagement angekommen ist und vergleichsweise gut angenommen wird, wieder – und dieses mal dann wohl für immer – eingestellt werden.

Dies wäre ein fataler Rückschritt, der in Hinblick auf Klimaziele und Mobilität unverständlich wäre und ein drastisches Sinken der Lebensqualität im ländlichen Raum verursachen würde.

Nicht nur wir Jugendlichen sind in vielen Situationen auf das Bestehen eines funktionierenden ÖPNVs angewiesen, sei es für den Weg zur Schule, zum Studium, zum Ausbildungsplatz oder zur Freizeitgestaltung, ohne auf Eltern oder dergleichen angewiesen zu sein. Es gibt auch sehr viele Menschen, die aufgrund von Krankheiten oder auch wegen ihres Alters Alternativen zum Individualverkehr benötigen. Bestimmt würden auch viele andere Personengruppen aus verschiedensten Gründen von den Möglichkeiten eines dauerhaften attraktiven öffentlichen Nahverkehrs profitieren, nicht zuletzt eben durch die Entlastung des Straßenverkehrs.

Viel zu lange wurde auf neoliberale Politik gesetzt und im Zuge dessen stehen nicht nur wir Jugendlichen vor einer schwierig zu bewältigenden Krise. Es darf nicht länger dabei zugesehen werden, wie mit dem Bayerischen Wald auch die Stadt Viechtach als Luftkurort und Tourismusziel wieder auf das Abstellgleis verfrachtet wird. Es wird auch höchste Eisenbahn, Signale zu senden, um dem Trend der Abwanderung Einhalt gebieten zu können. Die direkte Zuganbindung ab Viechtach nach bspw. München oder Passau veranlasst viele Studenten dazu, Viechtach nicht nur als Heimatstadt, sondern auch als Wohnsitz treu zu bleiben.

Wir fordern daher die Bayerische Staatsregierung auf, die Zukunft nicht nur unserer Region nicht länger aufs Spiel zu setzen und die Mindestvoraussetzungen für dauerhafte Reaktivierungen von Bahnstrecken im Bezug auf die geforderten 1000 Fahrgastkilometer so anzupassen, dass es realistisch ermöglicht wird, Strecken wie die Linie 4 der Waldbahn dauerhaft zu betreiben.

Um unserer Forderung Nachdruck zu verleihen, rufen wir im Rahmen des Global-Climate-Strike-Aktionstages am Freitag, den 29. November, um 14:00 zu einer Zusammenkunft am Bahnhof mit themenbezogenen Redebeiträgen.

AG ÖPNV, im Namen des Viechtacher Jugendrats